Vorbereitungen

Einige Gedanken im Vorfeld

Im Vorfeld sollte die Sorte sowie die Anzahl der Chilipflanzen  bestimmt werden. Diese beiden Punkte werden durch folgende Faktoren beeinflusst:

Schärfegrad: Einerseits sollte man sich überlegen, wie scharf die Chilisorten sein sollen. Besonders wenn man noch keine grosse Erfahrung  mit den einzelen Sorten hat empfiehlt es sich, einen Sortenmix aus weniger scharfen bis ganz scharfen Chilis anzupflanzen. Ein ausgewogener Sortenmix ermöglicht es nämlich nach der Ernte verschiedene Schärfegrade zu kosten und dann für die Folgejahre bezüglich Schärfe und Geschmack eine genauere Auswahl treffen zu können. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf das Scoville Set im Webshop. Es handelt sich dabei um ein Saatgut Set, das 10 Chilisorten verschiedener Schärfegrade – von mild bis sehr scharf - beinhaltet. 

Einteilung der Schärfegrade nach Scoville-SkalaEinteilung der Schärfegrade nach Scoville-Skala

Platzverhältnisse: Als weitere wichtige Überlegung sollte man sich die Platzverhältnisse vor Augen halten und allenfalls auch kurz vermessen. Chilipflanzen mögen einen warmen Standort ohne übermässige direkte Sonneneinstrahlung. Diese kann nämlich zu Blattverbrennungen führen und bewirkt auch eine übermässige Verdunstung.

Chilipflanzen können einerseits im Garten ausgepflanzt werden. Dann sollten sie idealerweise an einer Hauswand mit Vordach stehen oder durch Folie oder Glas gedeckt sein, einerseits wegen der Wärme und andererseits wegen dem Schutz vor Regen. Chilipflanzen eignen sich übrigens gut als Unterbepflanzung im Tomatenhäuschen. Ein Auspflanzen der Chilis ins Gartenbeet ohne entsprechenden Schutz vor der Witterung hat sich in unseren Breitengraden als wenig erfolgreich erwiesen.

Als zweite Variante lassen sich Chilis auch gut in Töpfen oder Balkonkisten kultivieren, sowohl drinnen wie auch draussen. Für den Wurzelraum sollte man in der Regel pro Pflanze mindestens fünf Liter Volumen einrechnen, denn in grossen Töpfen gedeihen die Pflanzen besser und damit erhöht sich auch der Ertrag. Dabei ist eine geschützte Lage unter einem Vordach oder an einer Hauswand ebenfalls empfehlenswert. Auf dem Fensterbrett (drinnen oder draussen) fühlen sich Chilipflanzen in der Regel ebenfalls sehr wohl, man sollte die Pflanzen aber auf jeden Fall absturzsicher befestigen und sicherstellen, dass sie nicht zu starker direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind.

Die folgende Studio-Aufnahme soll eine Vorstellung der Dimension vermitteln, die Chilifplanzen im Topf erreichen können. Es handelt sich dabei um eine Habanero Orange Pflanze (Mitte) und zwei Fatalii Pflanzen. Diese Pflanzen haben eine Höhe von 80-90cm und tragen die ersten Blüten. Die Pflanzen wurden extra so gestellt, dass sie sich nicht berühren. In der Praxis könnte man den Abstand natürlich verringern. Die Pflanzen wurden übrigens am Stamm entlaubt.

Diese Chilis stehen im Abstand von 80cm zueinander und haben eine Höhe von 80-90cm.Diese Chilis stehen im Abstand von 80cm zueinander und haben eine Höhe von 80-90cm. 

Ob in Töpfen oder ausgepflanzt im Gartenbeet: Chilipflanzen benötigen in der Regel mindestens 40x40 cm Platz pro Pflanze, wobei dies natürlich eine Vereinfachung ist und somit als Richtwert verstanden werden soll. Grundsätzlich gilt: Je mehr Platz die Pflanzen zur Verfügung haben, desto kräftiger und ausladender ist ihr Wuchs, was sich bei der Fruchtbildung durch die erhöhte Stabilität als Vorteil erweist. Je nach Sorte unterscheidet sich die Wuchsform, kleine und kompakte Pflanzen eignen sich daher eher für Balkonkisten, während ausladende Pflanzen gut in grossen Töpfen gezogen werden können. Zum Beispiel brauchen Pflanzen der Gattung Capsicum baccatum (z.B. Lemon Drop oder Bishops Crown) deutlich mehr Platz, als Pflanzen der Gattung Capsicum chinense (z.B. Fatalii). Falls die Platzverhältnisse eher begrenzt sind, lohnt sich ein Blick auf das Balkon Set. Dieses enthält nämlich 4 verschiedene Chilisorten, die sich durch ihren eher kompakten Wuchs auszeichnen und sich daher gut für enge Platzverhältnisse eignen. Die ausgewählten Sorten reifen in verschiedenen Farben ab und bieten damit auch etwas fürs Auge.

Eine weitere Überlegung kann auch die vorhandene Erfahrung mit dem Chilianbau sein. Grundsätzlich gibt es bezüglich Wuchskraft und Ansprüchen Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten, wobei schärfere Sorten tendenziell schwieriger anzubauen sind. Man sollte sich davon aber nicht einschüchtern lassen, es gibt keine „unmöglichen“ Sorten und auch der Chilibaron experimentiert mit verschiedenen Standorten, Gefässen oder Substraten. Das Starter Set beinhaltet für Neulinge übrigens eine gute Sortenzusammensetzung. Die darin enthaltenen Sorten sind pflegeleicht und ergänzen sich gegenseitig zu einen spannenden Sortenmix was die Schärfe, Form und Farbe angeht.

Falls man die Pflanzen draussen aufziehen möchte, sollte der Zeitpunkt der Aussaat berücksichtigt werden. Chilipflanzen sind nämlich nicht frosthart und können in der Schweiz  somit nicht ganzjährig im Freien kultiviert werden. Wenn man Frost vermeidet, sind Chilis aber problemlos mehrjährig kultivierbar, d.h. sie können drinnen überwintert werden und bilden dann jedes Jahr neue Früchte. Im Schweizer Mittelland können Chilipflanzen in der Regel etwa von Mitte Mai (Eisheilige) bis ca. Ende September im Freien bleiben, geschützte Standorte wie Hauswände sind hier von Vorteil. Falls die Chilipflanzen also im Freien kultiviert werden sollen, bietet sich eine Aussaat zwischen Dezember und März an, damit die Setzlinge im Mai schon möglichst gross sind und genügend Zeit bleibt für die Fruchtbildung und das Abreifen bis im Herbst. Natürlich gibt es zwischen den verschiedenen Sorten auch Unterschiede bezüglich Wüchsigkeit und Dauer der Fruchtentwicklung (von der Blüte bis zur reifen Chili). Als Faustregel gilt: Je schärfer die Sorte, desto länger dauert die Ausreifung. Je nach Lage (extreme Höhenlage etc.) sollte man auf das Auspflanzen der Chilis verzichten und diese von Anfang an in Töpfe pflanzen, damit sie bei Bedarf an einen geschützten Standort verschoben werden können. Falls man die Chilis in Töpfe pflanzt, bleibt nämlich die Option zur Überwinterung in der Wohnung (Siehe Kapitel „Überwinterung“). Falls dies geplant ist, sollte man sich die Platzverhältnisse in der Wohnung kurz vor Augen halten. Bei dieser Variante ist eine Aussaat ganzjährig möglich.

Als letzter und ebenfalls wichtiger Punkt sollte man sich natürlich auch um das nötige Material zur Anzucht kümmern. Dieser Punkt wird hier bewusst als letzter aufgeführt, da man sich in der Regel oft zuerst das Material beschafft und sich die obigen Punkte erst danach vor Augen führt. Für eine sinnvolle Abstimmung zwischen Sortenwahl, Materialwahl und vorhandener Klima- und Platzverhältnisse empfiehlt sich aber, das Material und die Chilisamen erst nach diesen Vorbereitungen anzuschaffen. Grundsätzlich können Chilipflanzen mit handelsüblichem Material kultiviert werden, der Wuchs und die Fruchtbildung kann aber mit Hilfsmitteln deutlich optimiert werden. So verkürzt beispielsweise die Verwendung von Heizmatten die Keimdauer deutlich und eine optimale Zusammensetzung des Substrates unterstützt die Nährstoffversorgung und wirkt sich somit auf die Wuchsform aus. Weitere Hilfsmittel erleichtern die Anzucht wie beispielsweise Pump-Sprüher zum Giessen oder biologische Produkte zur Schädlingsbekämpfung.

Aussaat

Die Sämlinge nehmen ein Bad und schlagen dann Wurzeln

Falls die Chilis im Freien ausreifen sollen, ist die Aussaat der Samen möglichst früh im Jahr durchzuführen, damit sich rechtzeitig kräftige Setzlinge entwickeln und die Früchte vor dem ersten Frost ausreifen können. In der Regel ist eine Aussaat von Dezember bis März anzustreben, wobei zu beachten ist, dass genügend Platz für die Setzlinge vorhanden ist, die erst ca. Mitte Mai nach draussen können. Für Topfkulturen spielt dies nicht so eine grosse Rolle, da die Pflanzen im Herbst zum Ausreifen nach drinnen geholt werden können.

Die Chilisamen werden vor der Aussaat am besten 12 Stunden in etwas lauwarmes Wasser eingelegt, um die Samen aus dem Winterschlaf zu wecken. Erfahrungsgemäss hat sich Kamillentee für das Einlegen des Saatgutes sehr bewährt. Man sollte bereits jetzt unbedingt auf eine genaue Beschriftung der eingelegten Sorten achten. Es reicht eine kleine Wassermenge.

Nach dem Einlegen werden die Chilisamen Samen für Samen in Saatschalen oder Quelltöpfe transferiert und leicht mit Erde überdeckt. Pro Topf wird nur ein, höchstens zwei Samen gepflanzt und bei Bedarf kann der Keimling später umgetopft oder ins Freie ausgepflanzt werden. Das Übersiedeln der nassen Samen mit einem Pinsel hat sich in der Praxis bestens bewährt. Idealerweise verwendet man spezielle Aussaaterde, da diese wenig Nährsalze beinhaltet, die den kleinen Keimlingen schaden könnten. Chilis sind Dunkelkeimer, d.h. sie keimen vorzugsweise unter der Erde, deshalb überdeckt man die Samen mit wenig Erde. Werden die Samen zu tief gesetzt, besteht die Gefahr, dass sie in der Erde verfaulen, bevor sie richtig keimen können oder dass sich die Keimung stark verzögert. Nach dem Aussäen sollte man die Töpfchen gut mit Wasser benetzen, damit der Samen guten Kontakt zur Erde hat und an einem warmen Ort platzieren. Zur schonenden, gleichmässigen Bewässerung der Sämlinge verwendet man am besten ein Handsprühgerät, damit der Samen nicht ausgeschwemmt wird beim Giessen. Der Wasserhaushalt für die keimende Saat ist nicht ganz unproblematisch und benötigt ein wenig Übung. Man sollte dabei unbedingt darauf achten, dass die Erde nie ganz austrocknet aber auch nie zu feucht ist. Wenn die Erde nämlich über einen längeren Zeitraum nass ist, kann das Saatgut schnell faulen. Im Gegenzug können einige Stunden Trockenheit bereits das Ende für frisch gekeimte Sämlinge bedeuten. Am besten benetzt man die Erde einige Male pro Tag mit einem Pumpsprüher.Das untenstehende Video zeigt, wie der Chilibaron seine Samen ausbringt.

 

Als sehr nützlich haben sich für die Anzucht von Chilis auch Anzuchtkästen (auch bekannt als Zimmergewächshäuser) und Heizmatten erwiesen. Die Anschaffung dieser beiden Hilfsmittel lohnt sich auf jeden Fall für den Anbau, da die Keimung beschleunigt wird. Vor der Anschaffung sollte man sich trotzdem überlegen, ob man sich dem Chilifieber über mehrere Jahre hingeben möchte und eine Anschaffung somit verhältnismässig ist. Die Anzuchtkästen bieten den Vorteil einer wasserdichten Unterlage, was insbesondere bei der Anzucht im Wohnbereich sehr praktisch ist. Ohne Deckel ist ein Anzuchtkasten also wie eine Saatschale, in die man (Quell-) Töpfe für die Aussaat stellen kann. Wenn man die Haube draufstellt, bildet sich im Innern des Anzuchtkastens ausserdem ein günstiges Mikroklima. Die Temperatur und auch die Luftfeuchtigkeit werden auf einem geeigneten Niveau gehalten. Erfahrungsgemäss muss man auch weniger oft giessen, da die Zugluft das Substrat nicht direkt austrocknen kann. Heizmatten dienen dazu, das Substrat aktiv zu erwärmen. Erfahrungsgemäss kann eine Heizmatte die Keimdauer (vor allem bei „Langschläfern“) massiv reduzieren. Ein Anzuchtkasten kann problemlos ohne Heizmatte verwendet werden. Umgekehrt ist dies aber nicht empfehlenswert. Wenn Sie eine Heizmatte unter Ihre Sämlinge stellen, sollten Sie diese unbedingt in einem Anzuchtkasten drin haben, da das Substrat auf einer Heizmatte ohne Abdeckung sehr schnell austrocknet. Sie müssten dann mehrmals pro Tag (und auch in der Nacht) giessen.

1. Umtopfen in Anzuchttöpfe

Umzug von der Saatschale in den Anzuchttopf

Egal ob die Pflanzen schlussendlich im Gartenbeet ausgepflanzt werden, oder ob sie in grossen Töpfen kultiviert werden: Zwischen dem Sämlingsstadium und dem finalen Standort im Gartenbeet oder im grossen Topf sollte man eine Zwischenstufe einplanen. Dies ist ratsam, da die noch zarten Chilipflanzen bei einem Umsiedeln in einen zu grossen Topf oder direkt ins Gartenbeet gerne „verhocken“ und sich auch das Wassermanagement als eher schwierig erweist. Wenn Sie einen grossen Topf nämlich zu viel giessen und die Pflänzchen aufgrund des noch kleinen Wurzelwerks dieses Wasser nicht aufnehmen können, bleibt das Substrat über mehrere Tage zu feucht. Chilipflanzen mögen Staunässe im Wurzelraum ganz und gar nicht und entwickeln sich bei entsprechenden Verhältnissen schlecht. Beim Chilianbau in unserem Klima, wo die Chilipflanzen bis zu den Eisheiligen Mitte Mai sowieso Hausarrest haben, ist diese Zwischenstufe in Anzuchttöpfen auch aus Platzgründen sinnvoll. Der Mehraufwand lohnt sich!

Die Sämlinge werden in Anzuchttöpfe umgepflanzt, sobald sie gut durchwurzelt sind und eine Grösse von ca. 5 bis 10 cm erreicht haben. Dabei können die Keimblätter (unterstes und wenig differenziertes Blattpaar) entfernt werden, um den Sämling tiefer in die Erde setzen zu können. Falls die Sämlinge etwas hoch und instabil gewachsen sind, können sie nun auch problemlos tiefer gepflanzt werden, um die Stabilität zu erhöhen. Auf keinen Fall sollten die Pflänzchen höher gepflanzt werden, als sie vorher waren. Beim Umtopfen können lange Wurzeln etwa um einen Drittel eingekürzt werden. Beim Setzen in den Anzuchttopf sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Wurzel-Enden nicht „nach oben“ zeigen. Für dieses erste Umpflanzen kann man gewöhnliche Gemüseerde verwenden, eine Hand voll Hornspäne als biologische Stickstoffquelle ist durchaus emfehlenswert. Für Gärtner mit viel Erfahrung ist auch das Mischen eines speziellen Chili-Substrates sinnvoll. Nach diesem ersten Umtopfen sollten die Pflanzen ein wenig mit Wasser angegossen werden. Bis die Pflanzen angewachsen sind, brauchen die frisch umgetopften Chilis nicht sehr viel Wasser. Das folgende Video zeigt den Chilibaron beim Umtopfen eines Jalapeño-Sämlings. Da der Sämlinge bereits etwas hoch ist, wird er aus Stabilitätsgründen etwas tiefer getopft.

 

2. Umtopfen an den finalen Standort

Vom Anzuchttopf ins Gartenbeet oder den grossen Topf 

Grundsätzlich sollte der Standort für die Chilis warm und geschützt sein. Das Auspflanzen in den Garten empfiehlt sich nur an überdachten Orten, z.B. an einer Hauswand oder als Unterbepflazung im Tomatenhaus.  Das Auspflanzen von Chilis in den Garten bietet gegenüber der Anzucht im Topf den Vorteil, dass das Nährstoff- und Wasserreservoir aufgrund des grösseren Wurzelraumes grösser ist. Das bedeutet, dass der Pflegeaufwand kleiner sein kann als bei Chilis in Töpfen und sich die Pflanzen besser selber regulieren können. Werden die Chilis in Töpfen kultiviert, sind diese natürlich mobil und können auch im Haus überwintert werden.

Die Chilis werden nun also aus den Anzuchttöpfen in grosse Töpfe oder ins Gartenbeet gepflanzt. Am besten geschieht dies, wenn die Pflänzchen etwa 20 cm hoch sind und den Anzuchtopf bereits gut durchwurzelt haben. Technisch spielt es keine grosse Rolle, ob Sie die Chilis auspflanzen oder in grössere Töpfe umsiedeln. Die Chilipflanzen werden dazu aus den Anzuchttöpfen entnommen. Falls sich die Wurzeln im Topf etwas zu oft im Kreis gedreht haben und somit festgefahren sind, kann man diese mit den Fingern ganz vorsichtig auseinanderreissen, damit sich die Wurzeln im neuen Topf wieder nach aussen orientieren. Danach kann man die Chilis in den Topf oder das Gartenbeet umpflanzen. Für das Umtopfen in grosse Töpfe ist es empfehlenswert, zuert etwa 5 cm Blähton in den Topf zu füllen und dann allenfalls eine Filtermatte einzulegen, bevor man die Erde einfüllt. Diese Massnahme wirkt auf den Wasserhaushalt im Topf ausgleichend und hat sich sehr bewährt. In der Regel erhöht es die Standfestigkeit, wenn man die Chilis etwas tiefer setzt. Chilis mögen ein durchlässiges und nährstoffreiches Substrat. Staunässe hingegen vertragen sie schlecht. Falls die Erde im Gartenbeet eher mässig geeignet scheint, kann man einfach ein grosses Loch (Ø30, Tiefe 30 cm) graben und mit Gemüseerde aus dem Gartencenter auffüllen.

Nach dem Umtopfen bzw. Auspflanzen entwickeln sich die Pflanzen oberirdisch in den ersten Tagen nur wenig. Sobald sie aber Ihr Wurzelwerk ausgebreitet haben und somit schneller zu mehr Wasser und Nährstoffen gelangen, werden sich auch die oberirdischen Pflanzenteile rasch weiterentwickeln. Die Chilipflanzen befinden sich nun bestenfalls an einem warmen,  geschützten und hellen Standort mit eher wenig direkter Sonneneinstrahlung.

Man kann die Chilis leider erst nach dem letzten Frost endgültig im Garten platzieren. Als Termin sollte man dazu also bis nach den Eisheiligen Mitte Mai zuwarten. Die Chilis vertragen keinen Frost, Temperaturen unter ca. 10 Grad führen zum Wachstumsstop, unter 5 Grad treten irreparable Schäden auf. Falls man die Chilis draussen in einem Frühbeetkasten hat, kann man folgenden Trick anwenden: Man nimmt  dunkle Glasflaschen, die mit Wasser gefüllt sind und platziert sie neben den Chilis. Die Sonne erwärmt tagsüber das dunkle Glas, die Wärme wird vom Wasser gespeichert und in der Nacht kontinuierlich abgegeben. Dieser kleine Trick ermöglicht es, die Chilis auch bereits früher auszupflanzen und allfällige Kälteperioden zu überbrücken.

Pflegemassnahmen

So entwickeln sich die Chilis prächtig

Bewässerung: Bezüglich Bewässerung sind Chilis relativ anspruchsvoll. Im südamerikanische Raum, wo die Chili ursprünglich herstammt, regnet es fast täglich. Die Pflanzen trocknen aufgrund der hohen Temperaturen nach dem Regen aber auch wieder schnell ab. Chilis mögen keine nassen Blätter und reagieren darauf gerne mit Pilzkrankheiten. Man sollte deshalb die Chilis regelmässig mit Wasser versorgen. Dabei sollte beachtet werden, dass die Pflanze selbst nicht nass wird, am besten giesst man das Substrat direkt mit einer Giesskanne oder einem anderen Giessgerät. Der Boden sollte gut drainiert sein, da die Chilis neben Trockenheit auch auf Staunässe mit Blüten- und Fruchtfall reagieren können.

Besonders heikel ist auch das Bewässern der frisch ausgebrachten Saat bzw. der eben gekeimten Sämlinge. Ein geeignetes Wassermanagement kann durchaus ein wenig Übung erfordern, ist aber auch keine Hexerei. Das Substrat sollte nicht zu lange austrocknen aber auch auf keinen Fall ständig nass sein. Bei zu grosser Feuchte können die Chilisamen oder feinen Wurzeln in der Erde auch verfaulen und werden so keimungsunfähig. Am besten benetzt man die Erde mehrmals am Tag mit einem Pumpsprüher.

Bei den Keimlingen ist es von Vorteil, am Morgen und am Abend Wasser zu geben. Es empfiehlt sich, einen Anzuchtkasten mit Haube zu verwenden, damit die Erde tagsüber nicht so schnell austrocknet. Ausserdem sollte man direkte Sonneneinstrahlung meiden, da diese ebenfalls zu schneller Austrocknung des Substrats führt. Eine Verabreichung von „Wasser auf Vorrat“ z.B. bei längerer Abwesenheit hat zu sehr schlechten Ergebnissen geführt und ist somit nicht empfehlenswert. Besser ist es, Töpfe und Balkonkästen mit einem sepratem Wasserreservoir auszustatten, das kann eine mit Wasser gefüllte, umgedrehte Flasche sein. Die besten Resultate erzielt man ganz klar mit einer automatischen Tropfbewässerung. Fakultativ kann an eine solche sogar noch ein Düngetank für eine ausgegleichene Nährstoffversorgung angehängt werden. Wenn eine solche Tropfbewässerung richtig kalibriert ist, kann man im Sommer auch ohne schlechtes Gefühl bezüglich Wassermanagement der Chilipflanzen in den Urlaub fahren.

Düngung: Die Aussaaterde sollte keine Nährsalze enthalten, da diese das Saatgut bzw. den Keimvorgang negativ beinflussen können. Der Samen enthält bereits alle benötigten Nährstoffe. Sobald die Sämlinge gekeimt sind und einige Tage Sonne tanken durften, ist eine Applikation von Flüssigdünger sinnvoll. Dabei sollte man sich aufgrund der Zartheit der Pflänzchen vorerst mit der Hälfte der angegebenen Dosierung begnügen. Diese erste Düngung ist am besten mit einem Pumpsprüher durchzuführen. Dabei dürfen die Blätter auch benetzt werden, diese Blattdüngung fördert ebenfalls das Wachstum. Eine regelmässige Düngung kann zumindest bis zum ersten Umtopfen (in Anzuchttöpfe) durchaus angebracht sein und das Wachstum fördern. Ohne Düngung gedeihen die Pflanzen ebenfalls, erfordern jedoch etwas mehr Geduld.

Nach dem ersten Umtopfen in nährstoffreiche Erde sollte eine Flüssigdüngung nur bei Bedarf durchgeführt werden. Die Pflanze kann sich nun nämlich an den Reserven im Substrat bedienen und braucht nur selten eine zusätzliche Düngung. Vermeiden Sie auf jeden Fall eine zu häufige oder zu stark konzentrierte Düngung, da diese sehr schnell zum Absterben der Chilipflanzen führen kann! Am besten halten Sie sich an die Anleitung auf der Dünger-Packung und dosieren im Zweifelsfall zurückhaltend.

Nach dem zweiten Umpflanzen in grosse Töpfe oder ins Gartenbeet ist eine Düngung fakultativ. Die Notwendigkeit einer Dünger-Applikation hängt dabei sehr stark davon ab, wie nährstoffreich die vorhandene Erde im Wurzelbereich ist. Werden die Chilis in frische Gemüseerde mit einer Handvoll Hornspäne versetzt gepflanzt, ist vorerst keine zusätzliche Düngung nötig. Sobald die Pflanzen Blüten ausbilden und Früchte tragen, kann eine regelmässige Flüssigdüngung angezeigt sein. Falls sich während der Kultur Mangelerscheinungen zeigen wie sehr helle Blätter, schwacher und unregelmässiger Wuchs, ist eine (Blatt-)Düngung ebenfalls in Erwägung zu ziehen.

Schädlingsbekämpfung

Ungebetenen Gästen den Marsch blasen

Grundsätzlich sind Chilipflanzen nicht besonders anfällig auf Schädlinge. Erfahrungsgemäss gibt es hier am ehesten Probleme, wenn die Pflanzen drinnen kultiviert werden. Einerseits fühlen sich Blattläuse im Wohnklima prächtig wohl, aber auch Trauermücken können schnell zur Plage werden. Im Freien ist ein Befall seltener, da sich die Pflanzen besser regulieren können und auch Wind oder Regen den Schädlingen das Leben schwer macht.

Der wichtigste Punkt bezüglich Schädlingsmanagement ist vermutlich die Beobachtung eines allfälligen Befalls bzw. das Schädlingsmonitoring. Es ist also wichtig, die Pflanzen regelmässig auf Schädlinge zu untersuchen und bei einem Schädlingsbefall schnell einzugreifen. Oft zeigt sich ein solcher auch durch Probleme im Wuchs, komische Blattformen oder Verfärbungen. Bei solchen Anzeichen lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Blattläuse können in der geflügelten Form nämlich praktisch überall hingelangen und breiten sich ohne Gegenmassnahme meistens rasch aus. Blattläuse siedeln sich übrigens auch gerne auf der Blattunterseit an, diese sollte man also auch regelmässig kontrollieren.

Sobald Blattläuse auf den Pflanzen festgestellt werden, sollte man diese (über einem Spühlbecken) mit Wasser (allenfalls vermischt mit etwas Schmierseife) abwaschen und die Pflanzen in den nächsten Tagen genauer und häufiger nach Schädlingen untersuchen. Wenn das Abwaschen der Läuse nicht die gewünschte Wirkung erzielt hat, kann im Notfall auch zu einem biologischen Insektizid gegriffen werden. Geeignete Mittel gegen Blattläuse sind z.B. NeemAzal, Natural oder Pyrethrum FS . Wobei selbst biologische Mittel mit Vorsicht angewendet werden sollten, sobald die Pflanzen Früchte tragen, um mögliche Rückstände bei der Ernte zu minimieren.

Eine Blattlaus auf der Blattunterseite Eine Blattlaus auf der Blattunterseite

Zum Monitoring von Trauermücken eignen sich Klebefallen „Catch-it“ bestens und sind sehr empfehlenswert.  Sobald sich die ersten Trauermücken auf der Klebefalle zeigen, ist eine Bekämpfung der Trauermücken mit Solbac Tabs oder Traunem sinnvoll. Die Trauermücken breiten sich in der Wohnung nämlich rasend schnell aus und werden sehr lästig. Die Trauermücken schädigen die Pflanzen zwar nicht direkt, werden jedoch in der Wohnung schnell zur Plage. Die Klebefallen eignen sich primär zum Schädlings-Monitoring, tragen aber auch zur Verminderung der Trauermücken-Population bei.

Trauermücke auf einer KlebefalleTrauermücke auf einer Klebefalle

Ausserdem können weisse Fliegen die Chilipflanzen befallen. Dies passiert in der Regel aber vor allem in Gewächshäusern bei geringer Luftfeuchtigkeit und kommt eher selten vor. Als Gegenmassnahme können Klebefallen einerseits zum Monitoring und andererseits auch zur Bekämpfung dienen. Bei anhaltendem Befall ist die Applikation eines biologischen Pflanzenschutzmittels eine Überlegung wert. Wirksam gegen weisse Fliegen sind unter anderem die biologischen Mittel NeemAzal, Natural oder Pyrethrum FS.

Weisse Fliegen treten vor allem in Gewächshäusern auf Weisse Fliegen treten vor allem in Gewächshäusern auf

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weisse-Fliege.jpg?uselang=de

Auch Schnecken können den Pflanzen ganz schön zusetzen. Die hungrigen Gastropoden sind in gewisser Hinsicht Feinschmecker und machen auch vor den reifen Chilischoten nicht halt. Zur Schneckenbekämpfung kann man die Schnecken regelmässig einsammeln und fremd platzieren. Eine ökologisch gut vertretbare Bekämpfungsmassnahme ist die Applikation von Bioslug Schnecken-Nematoden. Ein Ausbringen von Schneckenkörnern ist zwar durchaus wirksam, sollte aber trotzdem gut überlegt werden. Vor allem sollten nur Schneckenkörner verwendet werden, die für Igel etc. ungiftig sind. In der Regel stehen Chilipflanzen an geschützten Standorten und erhalten dadurch wenig Regenwasser, die Erde am Fusse der Pflanzen wird nur durch das Giesswasser benetzt. Dies hat einerseits den Effekt, dass sich wenig spontanes Beikraut bildet und auch, dass sich die Schnecken aufgrund des trocknenen Erdreiches gar nicht zur Besteigung der Chilipflanzen motivieren können. Daher ist die Wahl des Standortes auch eine geeignete Vorsorge gegen Schneckenbefall. In dieser Hinsicht ist auch die Möglichkeit einer automatischen Tropfbewässerung zu erwähnen. Einerseits werden die Chilis so von unten her und regelmässig mit Wasser versorgt. Andererseits ist die trockene Erde für Schnecken schwer passierbar aufgrund der punktuelle Bewässerung und es bildet sich erst noch weniger Beikraut.

Schneckenfrass an der Chilisorte Jalapeño GrandeSchneckenfrass an der Chilisorte Jalapeño Grande

Unkraut (oder besser Beikraut) ist in der Regel kein grosses Problem für die Chilipflanzen. Oft gelangen aber Schnecken über angrenzende Beikraut-Vegetation auf die Pflanze und das sollte man nach Möglichkeit verhindern. Der geschützte und warme Standort der Chilipflanzen gefällt zwar vielen Beikräutern, die Ausbereitung kann aber durch punktuelle Bewässerung (am besten mit einer Tropfbewässerung) gut reguliert werden. Falls sich doch Beikräuter unter oder neben den Chilis etablieren, kann man diese problemlos ausreissen.

Überwinterung

Rein in die gute Stube

Die Überwinterung von Chilipflanzen ist durchaus möglich, da die Pflanzen mehrjährig sind und auch ganzjährig Früchte produzieren können. Allerdings ist Frost unbedingt zu vermeiden. In normalen Höhenlagen können die Chilipflanzen also nur zwischen den Eisheiligen Mitte Mai und etwa Ende September draussen kutliviert werden. Bereits vor dem ersten Frost im Herbst müssen die Pflanzen also nach drinnen gebracht werden.

Dabei gibt es einge Dinge zu beachten: Einerseits müssen die Pflanzen unbedingt frei von Schädlingen sein, bevor sie ins Haus geholt werden. Dazu lohnt es sich, die Pflanzen peinlich genau nach Schädlingen zu untersuchen. Die Pflanzen können bevor sie ins Haus geholt werden auch zurückgeschnitten werden, was je nach Wuchs sinnvoll ist. Für den Rückschnitt ist es schwierig, eine genaue Anleitung zu formulieren. Man sollte beim Rückschnitt versuchen, die Symmetrie der Pflanze nicht zu stören bzw. diese sogar wieder ein wenig herzustellen. Grundsätzlich bilden die Pflanzen am Hauptstamm eine Verzweigung (Verzweigung Stufe1). Die beiden Äste dieser Gabelung  verzweigen sich dann erneut (Verzweigung Stufe2). Grundsätzlich sollte man die Pflanzen nicht stärker als auf die „Verzweigung Stufe 2“ zurückstutzen. Dabei stutzt man die Äste immer ausserhalb der Gabelung und lässt dort auch noch etwa 5 cm vom Ästchen stehen.

Diese Bildfolge zeigt, wie ein Rückschnitt aussehen kannDiese Bildfolge zeigt, wie ein Rückschnitt aussehen kann

Grundsätzlich können die Pflanzen gut zünftig gestutzt werden, weg kann alles, was stört. Auch ältere und grosse Blätter konnen von Hand entfernt werden, alles abgestorbene dürre oder braune Pflanzenmaterial sowieso. Nachdem der Rückschnitt und die Schädlingskontrolle erfolgreich durchgeführt wurden, können die Pflanzen ihr Winterquartier beziehen. Als Standort kommen hierbei zwei Möglichkeiten in Frage:

Entweder man hat in der Wohnung ein helles Südfenster und findet dort ein Plätzchen für die Chilipflanze. Dort sollte es sehr hell sein und die Temperatur sollte etwa um die 20°C betragen. An diesem Standort kann die Chili im besten Fall über den ganzen Winter hinweg Blüten bilden und Früchte tragen. In diesem Fall sollte man auch relativ häufig Wasser und allenfalls Dünger verabreichen. Eine regelmässige Schädlingskontrolle ist Pflicht, nur allzu schnell siedeln sich lästige Läuse an den geliebten Chilipflanzen an.

Als zweite Möglichheit kann ein weniger heller Ort gewählt werden, es muss dann auch nicht ganz so warm sein. Unter 5°C sollte die Temperatur aber nicht fallen, da die Pflanzen sonst Schaden nehmen. Hier bietet sich z.B. ein Platz im Hausgang oder auch im Keller an. Wichtig dabei ist aber, dass die Chilis trotzdem Licht haben und nicht im Dunkeln überwintert werden. Im Dunkeln lassen sich die Pflanzen nämlich nicht überwintern. An diesem zweiten Ort muss man die Pflanzen aufgrund der kühleren Temperaturen und der langsameren Entwicklung auch weniger giessen.

Ein ideales Winterquartier ermöglicht sogar FruchtbildungEin ideales Winterquartier ermöglicht sogar Fruchtbildung

Passen Sie in beiden  Fällen darauf auf, dass die Pflanzen nicht zu feucht haben. Besonders am zweiten Standort können die Pflanzen schon mal ein wenig Laub einbüssen. Sobald der Frühling im März das erste Mal an die Tür klopft, können die Wassergaben langsam erhöht werden und auch eine Zugabe von Flüssigdünger kann sinnvoll sein. Vor der Aussiedlung nach dem letzten Frost können die Pflanzen dann (sofern nötig) in einen etwas grösseren Topf gepflanzt werden. Vorsicht mit dem Sonnenlicht: Wie auch wir Menschen müssen sich die Pflanzen erst wieder an die Sonne gewöhnen und bei zu viel direkter Sonneneinstrahlung können die zarten Blätter nach dem Überwintern sehr schnell verbrennen. Daher empfiehlt es sich, die Pflanzen langsam wieder an das Sonnenlicht zu gewöhnen und entweder zuerst an einen schattigen Standort zu stellen oder nur für eine begrenzte Zeit der Sonne auszusetzen.

Ernte

Nun kommt der spannendste Teil

Alle Chilisorten färben sich früher oder später von grün zur für die entsprechenden Sorte charakteristischen Farbe. In diesem Sinne sind alle Chilis (auch Peperoni), die im Gemüseladen grün sind, einfach vor diesem Farbumschlag geerntet worden. Für gewisse Sorten (z.B. Jalapeños) wird eine Ernte auch traditionell vor dem Farbumschlag durchgeführt. In der Regel werden die Chilis aber kurz nach dem Farbumschlag geerntet. Man sollte die Chilischoten von Hand ernten, wobei man die Stiele einfach am Ast abbrechen kann. Die Stiele sollten an den Chilis bleiben, dies wirkt sich positiv auf die Haltbarkeit der Chilischoten aus.

Congo Trinidad während des FarbumschlagsCongo Trinidad während des Farbumschlags

Lagerung und Konservierung

Freude bewahren

Chilischoten können in frischem Zustand etwa 1 bis 2 Wochen gelagert werden. Beste Lagerbedingungen bietet ein kühler Ort (idealerweise 1°C) mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Zu Hause lassen sich frische Chilischoten am besten im Gemüsefach des Kühlschrankes lagern. Für Chilischoten, die nicht frisch verwertet werden können, bieten sich folgende Methoden zur Konservierung:

Einerseits können Sie die Chilischoten einfrieren, ein vorgängiges Vakuumieren der Früchte ist hierbei empfehlenswert. Beim Einfrieren werden aber in der Regel die Zellen zerstört und die Chilischoten sind nach dem Auftauen ganz weich. Um die Zellstruktur zu erhalten müsste man die Chilis Schockgefrieren, dazu fehlt aber in der Regel die nötige Ausrüstung.

Als weitere Möglichkeit können Sie die Chilischoten trocknen. Dünnwandige Schoten (wie z.B. Thai Chili) können an der Luft und am Stück getrocknet werden. Andere Sorten müssen halbiert werden, damit die Trocknung Erfolg hat. Die Trocknung im Dörrgerät (oder auch im Backofen) hat sich als die zuverlässigste Methode der Trocknung erwiesen, da man diesen Vorgang relativ gut steuern kann. Die Chilischoten werden hierbei bei 60-70 Grad (im Backofen bei Umluft) getrocknet. Grundsätzlich können hierbei ganze Schoten getrocknet werden, ein Halbieren oder „Scheibeln“ der Chilis kann die Dauer des Trocknungsvorganges aber stark verringern. Der Chilibaron hat zur Trocknung seiner Ernte jeweils einen Dörrex im Einsatz. Dieses Dörrgerät ist ziemlich robust und trocknet die Chilis zuverlässig. Je nach Modell verfügt der Dörrex sogar über eine Zeitschaltuhr, diese hat sich als sehr nützlich erwiesen.

Im Herbst ist der Dörrex im DauereinsatzIm Herbst ist der Dörrex im Dauereinsatz

Auch können Chilis eingemacht werden. Einerseits kann man die Chilischoten ganz oder in Stücken in Öl einlegen. Falls man das Öl aber nicht innerhalb von einer Wochen vebrauchen möchte, ist von dieser Methode abzuraten (Stichwort: Botulismus). Eine weitere gängige Methode ist das Einlegen in Essig. Hierbei sind die Chilischoten aufgrund der sauren Umgebung bestens konserviert. Natürlich können Chilis auch zu Saucen weiterverarbeitet werden, entweder als Konzentrat oder gemischt mit weiteren Zutaten. Bei allen Methoden des Einmachens sollte man die Gläser samt Inhalt mit Hitze sterilisiern. Falls man Chilischoten einmachen möchte, sollte man sich auf jeden Fall gründlich mit diesem Thema auseinandersetzen und allen nötigen Infos vorgängig einholen.

 

Saatgut-Gewinnung

Seid fruchtbar und mehrert euch

Die Saatgut-Gewinnung aus selbst angebauten Chilis ist grundsätzlich möglich. Sie funktioniert aber nur mit samenfestem Saatgut und nicht mit Hybridzüchtungen.  Samenfestes Saagut kann Jahr für Jahr aus den Chilis entnommen und erneut ausgepflanzt werden. Die Sorteneigenschaften bleiben dabei erhalten. Bei Hybridzüchtungen ist das gekaufte Saatgut zwar sehr ertragreich, aus den gepflanzten Chilischoten entnommenes Saatgut kann aber nicht mehr wiederverwendet werden. Möglicherweise ist das Saatgut zwar keimfähig, jedoch sind die gewünschten Sorteneigenschaften verloren. Solche Hybridzüchtungen können vor allem in ärmeren Weltregionen zu einer Abhängigkeit der Bauern von den Agrar-Händlern und somit auch zu Verschuldung führen. Hybridsaatgut ist zwar sehr ertragreich, muss aber jedes Jahr neu eingekauft werden. Aus diesem Grund hat der Chilibaron weder Saatgut noch Pflanzen aus Hybridzüchtungen im Angebot.

Aber auch bei samenfesten Sorten ist bei der Saatgut-Gewinnung Vorsicht geboten: Verschiedene Chilisorten können sich gerne verkreuzen und somit wird möglicherweise aus dem geernteten Saatgut eine neue Sorte, selten ist es sortenrein, wobei die Veränderungen mehr oder weniger gross sein können. Da bei solchen Verkreuzungen aber in der Regel keine vernünftigen neuen Sorten entstehen, sollte man dieses Verkreuzen im Vorfeld möglichst ausschliessen. Professionelle Züchter verkreuzen gezielt bestimmte Sorten miteinander und pflanzen dann die resultierenden Samenkörner aus. In der Regel braucht es hier aber einige hundert bis tausend Versuche, bis eine vielversprechende Sorte resultiert, die dann weiterverwendet werden kann. Die Anzahl Samenkörner innerhalb einer Schote kann zwischen den verschiedenen Sorten übrigens stark variieren. Als Faustregel gilt: je schärfer die Sorte desto weniger Samenkörner.

Halbierte Fatalii-Schote mit SamenkörnernHalbierte Fatalii-Schote mit Samenkörnern

Grundsätzlich kann sich jede Blüte an einer Chilipflanze selbst bestäuben. Das bedeutet, dass es keine fremde Hilfe wie Insekten oder Wind für die Bestäubung der Blüte braucht. Die Früchte, die durch diese Selbstbestäubung resultieren sind sortenrein. Ebenfalls sortenrein sind Früchte, die durch die Bestäubung zweier Blüten von Pflanzen der selben Sorte entstehen. Wenn nun die Samengewinnung das Ziel sein soll, pflanzt man am besten 5 bis 10 Pflanzen von einer einzigen Sorte aus. Um auszuschliessen, dass sich keine andere Sorten einkreuzen, muss man entweder einen entsprechenden Abstand zu den übrigen Sorten wählen, was aus Platzmangel oft kaum realisierbar ist. Als weitere Möglichkeit kann man alle Pflanzen von einer Sorte zusammen einnetzen. Dabei muss man zwingend ein sehr feinmaschiges Netz verwenden. Als weitere Möglichkeit kann man auch einzelne Blütenpaare in leere Teebeutel einpacken. Dann sollte man aber die betroffenen Blüten ab und zu mit dem Finger anschnippen, damit die Bestäubung wahrscheinlicher wird. Wenn die Schote, aus der man das Saatgut ernten möchte, die charaktieristische Form der angegeben Sorte hat, muss das übrigens noch lange nicht heissen, dass diese Samen dann ebenfalls wieder solche Früchte hervorbringen!

Saatgut-Gewinnung aus einer Bhut Jolokia Red SchoteSaatgut-Gewinnung aus einer Bhut Jolokia Red Schote

Wenn man also die Verkreuzung verschiedener Sorten möglichst ausgeschlossen hat, kann man Saatgut aus den Schoten gewinnen.  Zur Saatgutgewinnung wählt man am besten reife Früchte aus, die eben erst den Farbumschlag durchgemacht haben. Auf jeden Fall sollte man zum Ernten des Saatgutes Handschuhe tragen. Nun halbiert man die Schoten vorsichtig mit einem Messer und kann dann mit den Fingern (oder auch einem Löffelchen) die Samen herausschaben. Die Samen werden dann am besten auf ein Papier gelegt und an einem warmen und windstillen Ort luftgetrocknet. Sobald die Samen trocken sind, sollten Sie am besten luftdicht verpackt werden und an einem kühlen und dunklen Ort aufbewahrt werden. Unbedingt sollte man das Saatgut anschreiben mit Sortenbezeichnung und Erntedatum. Falls alles richtig gemacht wurde, sind die Samen nun über mehrere Jahre hinweig keimfähig.