Saatgut-Gewinnung

Seid fruchtbar und mehrert euch

Die Saatgut-Gewinnung aus selbst angebauten Chilis ist grundsätzlich möglich. Sie funktioniert aber nur mit samenfestem Saatgut und nicht mit Hybridzüchtungen.  Samenfestes Saagut kann Jahr für Jahr aus den Chilis entnommen und erneut ausgepflanzt werden. Die Sorteneigenschaften bleiben dabei erhalten. Bei Hybridzüchtungen ist das gekaufte Saatgut zwar sehr ertragreich, aus den gepflanzten Chilischoten entnommenes Saatgut kann aber nicht mehr wiederverwendet werden. Möglicherweise ist das Saatgut zwar keimfähig, jedoch sind die gewünschten Sorteneigenschaften verloren. Solche Hybridzüchtungen können vor allem in ärmeren Weltregionen zu einer Abhängigkeit der Bauern von den Agrar-Händlern und somit auch zu Verschuldung führen. Hybridsaatgut ist zwar sehr ertragreich, muss aber jedes Jahr neu eingekauft werden. Aus diesem Grund hat der Chilibaron weder Saatgut noch Pflanzen aus Hybridzüchtungen im Angebot.

Aber auch bei samenfesten Sorten ist bei der Saatgut-Gewinnung Vorsicht geboten: Verschiedene Chilisorten können sich gerne verkreuzen und somit wird möglicherweise aus dem geernteten Saatgut eine neue Sorte, selten ist es sortenrein, wobei die Veränderungen mehr oder weniger gross sein können. Da bei solchen Verkreuzungen aber in der Regel keine vernünftigen neuen Sorten entstehen, sollte man dieses Verkreuzen im Vorfeld möglichst ausschliessen. Professionelle Züchter verkreuzen gezielt bestimmte Sorten miteinander und pflanzen dann die resultierenden Samenkörner aus. In der Regel braucht es hier aber einige hundert bis tausend Versuche, bis eine vielversprechende Sorte resultiert, die dann weiterverwendet werden kann. Die Anzahl Samenkörner innerhalb einer Schote kann zwischen den verschiedenen Sorten übrigens stark variieren. Als Faustregel gilt: je schärfer die Sorte desto weniger Samenkörner.

Halbierte Fatalii-Schote mit SamenkörnernHalbierte Fatalii-Schote mit Samenkörnern

Grundsätzlich kann sich jede Blüte an einer Chilipflanze selbst bestäuben. Das bedeutet, dass es keine fremde Hilfe wie Insekten oder Wind für die Bestäubung der Blüte braucht. Die Früchte, die durch diese Selbstbestäubung resultieren sind sortenrein. Ebenfalls sortenrein sind Früchte, die durch die Bestäubung zweier Blüten von Pflanzen der selben Sorte entstehen. Wenn nun die Samengewinnung das Ziel sein soll, pflanzt man am besten 5 bis 10 Pflanzen von einer einzigen Sorte aus. Um auszuschliessen, dass sich keine andere Sorten einkreuzen, muss man entweder einen entsprechenden Abstand zu den übrigen Sorten wählen, was aus Platzmangel oft kaum realisierbar ist. Als weitere Möglichkeit kann man alle Pflanzen von einer Sorte zusammen einnetzen. Dabei muss man zwingend ein sehr feinmaschiges Netz verwenden. Als weitere Möglichkeit kann man auch einzelne Blütenpaare in leere Teebeutel einpacken. Dann sollte man aber die betroffenen Blüten ab und zu mit dem Finger anschnippen, damit die Bestäubung wahrscheinlicher wird. Wenn die Schote, aus der man das Saatgut ernten möchte, die charaktieristische Form der angegeben Sorte hat, muss das übrigens noch lange nicht heissen, dass diese Samen dann ebenfalls wieder solche Früchte hervorbringen!

Saatgut-Gewinnung aus einer Bhut Jolokia Red SchoteSaatgut-Gewinnung aus einer Bhut Jolokia Red Schote

Wenn man also die Verkreuzung verschiedener Sorten möglichst ausgeschlossen hat, kann man Saatgut aus den Schoten gewinnen.  Zur Saatgutgewinnung wählt man am besten reife Früchte aus, die eben erst den Farbumschlag durchgemacht haben. Auf jeden Fall sollte man zum Ernten des Saatgutes Handschuhe tragen. Nun halbiert man die Schoten vorsichtig mit einem Messer und kann dann mit den Fingern (oder auch einem Löffelchen) die Samen herausschaben. Die Samen werden dann am besten auf ein Papier gelegt und an einem warmen und windstillen Ort luftgetrocknet. Sobald die Samen trocken sind, sollten Sie am besten luftdicht verpackt werden und an einem kühlen und dunklen Ort aufbewahrt werden. Unbedingt sollte man das Saatgut anschreiben mit Sortenbezeichnung und Erntedatum. Falls alles richtig gemacht wurde, sind die Samen nun über mehrere Jahre hinweig keimfähig.