Vorbereitungen

Einige Gedanken im Vorfeld

Im Vorfeld sollte die Sorte sowie die Anzahl der Chilipflanzen  bestimmt werden. Diese beiden Punkte werden durch folgende Faktoren beeinflusst:

Schärfegrad: Einerseits sollte man sich überlegen, wie scharf die Chilisorten sein sollen. Besonders wenn man noch keine grosse Erfahrung  mit den einzelen Sorten hat empfiehlt es sich, einen Sortenmix aus weniger scharfen bis ganz scharfen Chilis anzupflanzen. Ein ausgewogener Sortenmix ermöglicht es nämlich nach der Ernte verschiedene Schärfegrade zu kosten und dann für die Folgejahre bezüglich Schärfe und Geschmack eine genauere Auswahl treffen zu können. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf das Scoville Set im Webshop. Es handelt sich dabei um ein Saatgut Set, das 10 Chilisorten verschiedener Schärfegrade – von mild bis sehr scharf - beinhaltet. 

Einteilung der Schärfegrade nach Scoville-SkalaEinteilung der Schärfegrade nach Scoville-Skala

Platzverhältnisse: Als weitere wichtige Überlegung sollte man sich die Platzverhältnisse vor Augen halten und allenfalls auch kurz vermessen. Chilipflanzen mögen einen warmen Standort ohne übermässige direkte Sonneneinstrahlung. Diese kann nämlich zu Blattverbrennungen führen und bewirkt auch eine übermässige Verdunstung.

Chilipflanzen können einerseits im Garten ausgepflanzt werden. Dann sollten sie idealerweise an einer Hauswand mit Vordach stehen oder durch Folie oder Glas gedeckt sein, einerseits wegen der Wärme und andererseits wegen dem Schutz vor Regen. Chilipflanzen eignen sich übrigens gut als Unterbepflanzung im Tomatenhäuschen. Ein Auspflanzen der Chilis ins Gartenbeet ohne entsprechenden Schutz vor der Witterung hat sich in unseren Breitengraden als wenig erfolgreich erwiesen.

Als zweite Variante lassen sich Chilis auch gut in Töpfen oder Balkonkisten kultivieren, sowohl drinnen wie auch draussen. Für den Wurzelraum sollte man in der Regel pro Pflanze mindestens fünf Liter Volumen einrechnen, denn in grossen Töpfen gedeihen die Pflanzen besser und damit erhöht sich auch der Ertrag. Dabei ist eine geschützte Lage unter einem Vordach oder an einer Hauswand ebenfalls empfehlenswert. Auf dem Fensterbrett (drinnen oder draussen) fühlen sich Chilipflanzen in der Regel ebenfalls sehr wohl, man sollte die Pflanzen aber auf jeden Fall absturzsicher befestigen und sicherstellen, dass sie nicht zu starker direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind.

Die folgende Studio-Aufnahme soll eine Vorstellung der Dimension vermitteln, die Chilifplanzen im Topf erreichen können. Es handelt sich dabei um eine Habanero Orange Pflanze (Mitte) und zwei Fatalii Pflanzen. Diese Pflanzen haben eine Höhe von 80-90cm und tragen die ersten Blüten. Die Pflanzen wurden extra so gestellt, dass sie sich nicht berühren. In der Praxis könnte man den Abstand natürlich verringern. Die Pflanzen wurden übrigens am Stamm entlaubt.

Diese Chilis stehen im Abstand von 80cm zueinander und haben eine Höhe von 80-90cm.Diese Chilis stehen im Abstand von 80cm zueinander und haben eine Höhe von 80-90cm. 

Ob in Töpfen oder ausgepflanzt im Gartenbeet: Chilipflanzen benötigen in der Regel mindestens 40x40 cm Platz pro Pflanze, wobei dies natürlich eine Vereinfachung ist und somit als Richtwert verstanden werden soll. Grundsätzlich gilt: Je mehr Platz die Pflanzen zur Verfügung haben, desto kräftiger und ausladender ist ihr Wuchs, was sich bei der Fruchtbildung durch die erhöhte Stabilität als Vorteil erweist. Je nach Sorte unterscheidet sich die Wuchsform, kleine und kompakte Pflanzen eignen sich daher eher für Balkonkisten, während ausladende Pflanzen gut in grossen Töpfen gezogen werden können. Zum Beispiel brauchen Pflanzen der Gattung Capsicum baccatum (z.B. Lemon Drop oder Bishops Crown) deutlich mehr Platz, als Pflanzen der Gattung Capsicum chinense (z.B. Fatalii). Falls die Platzverhältnisse eher begrenzt sind, lohnt sich ein Blick auf das Balkon Set. Dieses enthält nämlich 4 verschiedene Chilisorten, die sich durch ihren eher kompakten Wuchs auszeichnen und sich daher gut für enge Platzverhältnisse eignen. Die ausgewählten Sorten reifen in verschiedenen Farben ab und bieten damit auch etwas fürs Auge.

Eine weitere Überlegung kann auch die vorhandene Erfahrung mit dem Chilianbau sein. Grundsätzlich gibt es bezüglich Wuchskraft und Ansprüchen Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten, wobei schärfere Sorten tendenziell schwieriger anzubauen sind. Man sollte sich davon aber nicht einschüchtern lassen, es gibt keine „unmöglichen“ Sorten und auch der Chilibaron experimentiert mit verschiedenen Standorten, Gefässen oder Substraten. Das Starter Set beinhaltet für Neulinge übrigens eine gute Sortenzusammensetzung. Die darin enthaltenen Sorten sind pflegeleicht und ergänzen sich gegenseitig zu einen spannenden Sortenmix was die Schärfe, Form und Farbe angeht.

Falls man die Pflanzen draussen aufziehen möchte, sollte der Zeitpunkt der Aussaat berücksichtigt werden. Chilipflanzen sind nämlich nicht frosthart und können in der Schweiz  somit nicht ganzjährig im Freien kultiviert werden. Wenn man Frost vermeidet, sind Chilis aber problemlos mehrjährig kultivierbar, d.h. sie können drinnen überwintert werden und bilden dann jedes Jahr neue Früchte. Im Schweizer Mittelland können Chilipflanzen in der Regel etwa von Mitte Mai (Eisheilige) bis ca. Ende September im Freien bleiben, geschützte Standorte wie Hauswände sind hier von Vorteil. Falls die Chilipflanzen also im Freien kultiviert werden sollen, bietet sich eine Aussaat zwischen Dezember und März an, damit die Setzlinge im Mai schon möglichst gross sind und genügend Zeit bleibt für die Fruchtbildung und das Abreifen bis im Herbst. Natürlich gibt es zwischen den verschiedenen Sorten auch Unterschiede bezüglich Wüchsigkeit und Dauer der Fruchtentwicklung (von der Blüte bis zur reifen Chili). Als Faustregel gilt: Je schärfer die Sorte, desto länger dauert die Ausreifung. Je nach Lage (extreme Höhenlage etc.) sollte man auf das Auspflanzen der Chilis verzichten und diese von Anfang an in Töpfe pflanzen, damit sie bei Bedarf an einen geschützten Standort verschoben werden können. Falls man die Chilis in Töpfe pflanzt, bleibt nämlich die Option zur Überwinterung in der Wohnung (Siehe Kapitel „Überwinterung“). Falls dies geplant ist, sollte man sich die Platzverhältnisse in der Wohnung kurz vor Augen halten. Bei dieser Variante ist eine Aussaat ganzjährig möglich.

Als letzter und ebenfalls wichtiger Punkt sollte man sich natürlich auch um das nötige Material zur Anzucht kümmern. Dieser Punkt wird hier bewusst als letzter aufgeführt, da man sich in der Regel oft zuerst das Material beschafft und sich die obigen Punkte erst danach vor Augen führt. Für eine sinnvolle Abstimmung zwischen Sortenwahl, Materialwahl und vorhandener Klima- und Platzverhältnisse empfiehlt sich aber, das Material und die Chilisamen erst nach diesen Vorbereitungen anzuschaffen. Grundsätzlich können Chilipflanzen mit handelsüblichem Material kultiviert werden, der Wuchs und die Fruchtbildung kann aber mit Hilfsmitteln deutlich optimiert werden. So verkürzt beispielsweise die Verwendung von Heizmatten die Keimdauer deutlich und eine optimale Zusammensetzung des Substrates unterstützt die Nährstoffversorgung und wirkt sich somit auf die Wuchsform aus. Weitere Hilfsmittel erleichtern die Anzucht wie beispielsweise Pump-Sprüher zum Giessen oder biologische Produkte zur Schädlingsbekämpfung.