Chilis aussäen & keimen lassen

Chilis benötigen vergleichsweise viel Zeit vom Samen bis zur reifen Frucht. Wer seine Chilipflanzen später im Freien kultivieren möchte, sollte deshalb frühzeitig mit der Aussaat beginnen.

Mit den richtigen Bedingungen ist die Aussaat von Chilis nicht schwierig. Nach unserer Erfahrung gibt es jedoch zwei Punkte, bei denen besonders häufig Schwierigkeiten auftreten: die Temperatur und die Feuchtigkeit des Substrats. Stimmen diese beiden Faktoren, sind bereits wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Keimung geschaffen.

Welche Chilisorten möchte ich anbauen?

Vor der Aussaat lohnt es sich, über die Auswahl und Anzahl der Pflanzen nachzudenken. Dabei spielen insbesondere der verfügbare Platz, die gewünschte Schärfe und die eigene Erfahrung mit dem Chilianbau eine Rolle.

Wer noch nicht genau weiss, welche Chilis ihm am besten gefallen, kann verschiedene Sorten und Schärfegrade ausprobieren. Nach der Ernte lässt sich dann vergleichen, welche Sorten bezüglich Geschmack, Schärfe und Ertrag besonders überzeugen.

Dabei sollte die Anzahl der Pflanzen nicht unterschätzt werden: Aus einem kleinen Sämling kann innerhalb weniger Monate eine stattliche Chilipflanze werden, die entsprechend Platz benötigt.

Wann sollte man Chilis aussäen?

Sollen die Chilis im Sommer im Freien wachsen und ihre Früchte dort ausreifen, empfiehlt sich in der Schweiz eine Aussaat zwischen Dezember und März. So haben die Pflanzen genügend Zeit, sich bis zum Frühjahr zu entwickeln und während des Sommers Früchte zu bilden.

Chilis sind nicht frosthart. Im Schweizer Mittelland können die Pflanzen deshalb in der Regel erst etwa ab Mitte Mai nach den Eisheiligen dauerhaft ins Freie.

Der ideale Aussaatzeitpunkt hängt auch von der Sorte ab. Sorten mit einer langen Entwicklungs- und Reifezeit profitieren besonders von einer frühen Aussaat. Dazu gehören viele Capsicum chinense-Sorten wie Habaneros und Superhots. Schnellere Sorten, insbesondere viele Capsicum annuum, können dagegen auch später ausgesät werden.

Bei einer sehr frühen Aussaat im Dezember oder Januar reicht das natürliche Tageslicht häufig nicht aus. In diesem Fall kann eine Pflanzenlampe sinnvoll sein. Mit zunehmender Tageslänge im Februar und März wird die Anzucht an einem hellen Fenster einfacher.

Wer seine Chilis in Töpfen kultiviert, ist etwas flexibler. Die Pflanzen können bei tiefen Temperaturen an einen geschützten Ort gebracht und im Herbst bei Bedarf zum Ausreifen ins Haus geholt werden.

Was braucht man für die Aussaat?

Für die Aussaat ist keine komplizierte Ausrüstung erforderlich. Bewährt haben sich:

  • Chilisamen
  • nährstoffarme Aussaaterde
  • kleine Anzuchttöpfe, Saatschalen oder Quelltöpfe
  • Beschriftung für die verschiedenen Sorten
  • ein Pumpsprüher oder eine andere Möglichkeit zur schonenden Bewässerung
  • optional ein Anzuchtkasten bzw. Zimmergewächshaus
  • optional eine Heizmatte
  • optional eine Pflanzenlampe bei früher Aussaat oder wenig natürlichem Licht

Ein Anzuchtkasten und eine Heizmatte sind nicht zwingend notwendig. Sie können es jedoch wesentlich einfacher machen, während der Keimung gleichmässige Bedingungen zu schaffen.

Chilisamen vor der Aussaat einweichen

Wir legen unsere Chilisamen vor der Aussaat für etwa 12 Stunden in lauwarmes Wasser ein. Mit Kamillentee haben wir ebenfalls gute Erfahrungen gemacht.

Beim Einweichen nehmen die trockenen Samen Wasser auf. Dadurch werden die für die Keimung notwendigen Prozesse bereits vor der eigentlichen Aussaat angestossen. Nach unserer Erfahrung kann das Einweichen die Keimdauer deutlich verkürzen.

Wer mehrere Sorten gleichzeitig aussät, sollte bereits beim Einweichen auf eine eindeutige Beschriftung achten. Chilisamen verschiedener Sorten lassen sich optisch später kaum noch auseinanderhalten.

Chilisamen richtig aussäen

Nach dem Einweichen werden die Samen einzeln in kleine Anzuchttöpfe, Saatschalen oder Quelltöpfe gesetzt. Die nassen Samen lassen sich beispielsweise mit einem kleinen Pinsel gut aufnehmen und platzieren.

Pro Topf genügt in der Regel ein Samen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auch zwei Samen aussäen und später nur den kräftigeren Sämling weiterziehen.

Als Substrat eignet sich eine nährstoffarme Aussaaterde. Die Samen werden etwa 0,5–1 cm tief eingesetzt und locker mit Erde bedeckt. Zu tief sollten sie nicht gesetzt werden, da dies die Keimung verzögern und unter ungünstigen Bedingungen Fäulnis begünstigen kann.

Anschliessend wird das Substrat vorsichtig befeuchtet. Ein Pumpsprüher eignet sich dafür gut, weil die Erde gleichmässig befeuchtet wird, ohne dass die Samen durch einen starken Wasserstrahl freigespült werden.

Die zwei Knackpunkte: Temperatur und Feuchtigkeit

Nach unserer Erfahrung sind Substrattemperatur und Substratfeuchtigkeit die beiden Faktoren, bei denen bei der Chili-Anzucht am häufigsten Schwierigkeiten auftreten.

Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu wärmen oder zu giessen. Vielmehr geht es darum, während der Keimphase möglichst konstante und für die Samen geeignete Bedingungen zu schaffen.

Die richtige Substrattemperatur

Während der Keimung hat sich eine Substrattemperatur von etwa 24–26 °C bewährt.

Wichtig ist dabei der Begriff Substrattemperatur: Entscheidend ist nicht allein die Raumtemperatur, sondern die tatsächliche Temperatur in der Erde, in der sich die Samen befinden. Gerade auf einer Fensterbank oder in einem kühleren Raum kann zwischen Raum- und Substrattemperatur ein deutlicher Unterschied bestehen.

Eine Heizmatte kann dabei helfen, das Substrat konstant im gewünschten Temperaturbereich zu halten. Gerade bei Sorten, die von Natur aus etwas länger zum Keimen benötigen, kann ausreichend Wärme die Keimdauer deutlich verkürzen.

Die richtige Substratfeuchtigkeit

Mindestens ebenso wichtig wie die Temperatur ist die Feuchtigkeit. Das Substrat sollte während der gesamten Keimphase gleichmässig feucht, aber nicht dauerhaft nass sein.

Trocknet das Substrat während einer kritischen Phase vollständig aus, können keimende Samen Schaden nehmen. Zu viel Wasser ist jedoch ebenfalls problematisch: Bleibt das Substrat über längere Zeit nass, steigt das Risiko von Fäulnis.

Das Substrat sollte sich deshalb feucht anfühlen, aber nicht mit Wasser vollgesogen sein. Stehendes Wasser im Anzuchtgefäss sollte vermieden werden.

Eine allgemeine Regel wie «zweimal täglich giessen» ist wenig sinnvoll. Wie schnell das Substrat austrocknet, hängt unter anderem von Temperatur, Gefäss, Substrat und Luftfeuchtigkeit ab. Entscheidend ist deshalb, die Feuchtigkeit regelmässig zu kontrollieren und bei Bedarf vorsichtig nachzufeuchten.

Anzuchtkasten und Heizmatte

Ein Anzuchtkasten – häufig auch als Zimmergewächshaus bezeichnet – erleichtert es, während der Keimung konstante Bedingungen zu schaffen. Die Abdeckung reduziert die Verdunstung und sorgt für ein gleichmässigeres Mikroklima.

Eine Heizmatte kann zusätzlich dabei helfen, die gewünschte Substrattemperatur von etwa 24–26 °C konstant zu halten. Besonders in kühleren Räumen ist dies praktisch.

Temperatur und Feuchtigkeit sollten trotzdem regelmässig kontrolliert werden. Wärme fördert die Verdunstung und kann das Substrat schneller austrocknen. Gleichzeitig darf die Abdeckung des Anzuchtkastens nicht dazu führen, dass das Substrat dauerhaft zu nass bleibt.

Wie lange brauchen Chilis zum Keimen?

Unter guten Bedingungen keimen viele Chilisorten innerhalb von etwa 7–21 Tagen. Die Keimdauer kann sich jedoch je nach Sorte, Alter und Qualität des Saatguts sowie den Bedingungen während der Keimung deutlich unterscheiden.

Einzelne Sorten benötigen deutlich länger. Deshalb sollte man auch nach drei Wochen nicht vorschnell davon ausgehen, dass ein Samen nicht mehr keimt.

Eine gleichmässige Substrattemperatur von etwa 24–26 °C und eine konstante, aber nicht zu hohe Substratfeuchtigkeit können die Keimdauer deutlich beeinflussen.

Nach der Keimung

Sobald die ersten Sämlinge aus der Erde kommen, ändern sich ihre Bedürfnisse. Die Bedingungen, die für eine schnelle Keimung optimal waren, sind für die weitere Entwicklung der jungen Pflanzen nicht mehr in gleichem Masse notwendig.

Abdeckung entfernen

Nach der Keimung wird die hohe Luftfeuchtigkeit im geschlossenen Anzuchtkasten nicht mehr benötigt. Die Abdeckung kann nun zunehmend geöffnet und schliesslich entfernt werden. Dadurch verbessert sich gleichzeitig die Luftzirkulation rund um die jungen Pflanzen.

Temperatur reduzieren

Nach erfolgreicher Keimung wird die hohe Substrattemperatur von 24–26 °C nicht mehr benötigt. Für die weitere Entwicklung der jungen Chilipflanzen sind rund 20 °C ausreichend.

Eine verwendete Heizmatte kann nun entfernt oder entsprechend heruntergeregelt werden.

Jetzt wird Licht wichtig

Nach der Keimung benötigen die jungen Pflanzen vor allem ausreichend Licht. Bei zu wenig Licht wachsen Sämlinge schnell lang und dünn, weil sie sich zur Lichtquelle strecken. Ein heller Standort ist deshalb wichtig.

An intensive direkte Sonneneinstrahlung sollten junge Chilipflanzen jedoch schrittweise gewöhnt werden. Besonders hinter einer Glasscheibe können bei direkter Sonne zudem schnell hohe Temperaturen entstehen.

Vorsichtig mit Nährstoffen beginnen

Für die Aussaat eignet sich eine nährstoffarme Aussaaterde. Sobald sich die Sämlinge weiterentwickeln, steigt jedoch ihr Nährstoffbedarf.

Dann kann vorsichtig mit einer schwach konzentrierten Düngerlösung nachgedüngt werden. Dabei gilt insbesondere bei jungen Chilipflanzen: lieber etwas zurückhaltender düngen als zu viel.

Eine zu hohe Nährstoffkonzentration kann die empfindlichen jungen Pflanzen schädigen. Überdüngung sollte deshalb unbedingt vermieden werden.

Sind die Chilis erfolgreich gekeimt und entwickeln sich zu kräftigen Sämlingen, beginnt die nächste Phase der Anzucht: die Pflege der Jungpflanzen und das erste Umtopfen.