Chilipflanzen richtig pflegen

Sind die Chilis im Endtopf oder Gartenbeet angekommen, beginnt die eigentliche Kultur- und Pflegephase. Mit zunehmender Grösse und insbesondere während der Blüten- und Fruchtbildung werden eine zuverlässige Wasser- und Nährstoffversorgung immer wichtiger.

Chilipflanzen sind grundsätzlich robust. Für kräftige Pflanzen und einen guten Ertrag sind jedoch vor allem eine gleichmässige Wasserversorgung, eine bedarfsgerechte Düngung und regelmässige Kontrollen wichtig.

Chilis richtig giessen

Eine zuverlässige Wasserversorgung gehört zu den wichtigsten Punkten bei der Pflege von Chilipflanzen. Chilis vertragen weder längere Trockenperioden noch dauerhaft nasses Substrat besonders gut.

Wie häufig gegossen werden muss, lässt sich nicht pauschal festlegen. Der Wasserbedarf hängt unter anderem von Pflanzengrösse, Topfvolumen, Standort, Temperatur, Substrat und Wetter ab.

Besonders Pflanzen in Töpfen können an warmen Sommertagen innerhalb kurzer Zeit viel Wasser benötigen. Selbst wenn am Morgen gegossen wurde, kann ein kleinerer Topf bei entsprechenden Bedingungen bereits über die Mittagszeit stark austrocknen.

Trockenstress zeigt sich häufig durch hängende Blätter. Wiederholter oder stärkerer Trockenstress kann ausserdem dazu führen, dass die Pflanze Blüten oder junge Früchte abwirft.

Gleichzeitig sollte nicht einfach möglichst viel gegossen werden. Bleibt das Substrat dauerhaft nass, leiden die Wurzeln unter den schlechten Bedingungen und das Risiko von Wurzelschäden steigt.

Beim Giessen geben wir das Wasser möglichst direkt auf das Substrat beziehungsweise in den Wurzelbereich und vermeiden unnötiges Benetzen der gesamten Pflanze. Besonders bei dichter Belaubung ist das sinnvoll, weil die Blätter trocken bleiben und das Wasser gezielt dort ankommt, wo es benötigt wird.

Töpfe müssen ausserdem über ausreichend grosse Abzugslöcher verfügen, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.

Als Grundregel gilt deshalb:

Regelmässig und bedarfsgerecht giessen – weder vollständig austrocknen lassen noch dauerhaft vernässen.

Automatische Tropfbewässerung

Bei mehreren Chilipflanzen hat sich bei uns eine automatische Tropfbewässerung besonders bewährt.

Sie spart nicht nur Zeit, sondern ermöglicht eine gleichmässigere Wasserversorgung. Gerade während heisser Sommerperioden ist das ein grosser Vorteil.

Je nach Wetter, Topfgrösse und Standort kann es sinnvoll sein, die benötigte Wassermenge auf mehrere kürzere Bewässerungsintervalle zu verteilen – beispielsweise morgens, mittags und abends. Dadurch lässt sich Trockenstress während der heissesten Tageszeit reduzieren.

Die Bewässerung muss allerdings an die tatsächlichen Bedingungen angepasst werden. Ein System sollte deshalb nicht einmal eingestellt und anschliessend vergessen werden. An kühlen oder regnerischen Tagen benötigen die Pflanzen wesentlich weniger Wasser als während einer sommerlichen Hitzeperiode.

Richtig eingestellt kann eine automatische Tropfbewässerung die Pflege deutlich vereinfachen und ist besonders praktisch, wenn die Pflanzen während einer Abwesenheit zuverlässig versorgt werden müssen.

Chilis richtig düngen

Wie viel Dünger eine Chilipflanze benötigt, hängt stark vom verwendeten Substrat, der Pflanzengrösse und ihrem Entwicklungsstadium ab.

Nach dem Umtopfen in frische, nährstoffreiche Gemüse- oder Pflanzerde stehen zunächst meist ausreichend Nährstoffe zur Verfügung. Eine zusätzliche Düngung unmittelbar nach dem Umtopfen ist deshalb in der Regel nicht erforderlich.

Mit zunehmendem Wachstum werden die Nährstoffreserven des Substrats nach und nach verbraucht. Besonders während der Blüten- und Fruchtbildung ist eine ausreichende Nährstoffversorgung wichtig.

Je nach verwendetem Substrat kann deshalb im weiteren Verlauf eine regelmässige Flüssigdüngung sinnvoll sein. Dabei sollte die Dosierung an den verwendeten Dünger, das Substrat und die Entwicklung der Pflanze angepasst werden.

Beim Düngen gilt nicht: Viel hilft viel

Eine zu hohe Düngerkonzentration kann Chilipflanzen erheblich schädigen. Gerade bei Flüssigdüngern lässt sich schnell eine zu hohe Nährstoffkonzentration erreichen.

Wir empfehlen deshalb, sich an der Dosierungsangabe des verwendeten Düngers zu orientieren und im Zweifelsfall eher zurückhaltend zu dosieren.

Auch hier gilt: Nicht nach einem starren Schema düngen, ohne die Pflanzen zu beobachten. Wachstum, Blattfarbe, Entwicklungsphase und das verwendete Substrat geben Hinweise darauf, ob eine zusätzliche Nährstoffversorgung überhaupt notwendig ist.

Zeigen sich auffällige Veränderungen wie sehr helle Blätter oder ungewöhnlich schwaches Wachstum, sollte zunächst nach der Ursache gesucht werden. Nicht jedes Problem ist automatisch ein Nährstoffmangel und nicht jedes Problem lässt sich durch zusätzlichen Dünger beheben.

Pflanzen regelmässig kontrollieren

Zur Pflege gehört auch ein regelmässiger Blick auf die gesamte Pflanze. Veränderungen lassen sich wesentlich einfacher behandeln, wenn sie früh erkannt werden.

Beim Giessen und bei der allgemeinen Pflege lohnt es sich deshalb, regelmässig genauer hinzuschauen:

  • Sind die Blätter kräftig und gesund?
  • Gibt es Verfärbungen, Flecken oder ungewöhnliche Verformungen?
  • Sind Blattunterseiten und junge Triebe frei von Schädlingen?
  • Gibt es abgestorbene oder beschädigte Pflanzenteile?
  • Sind stark mit Früchten belastete Äste noch ausreichend stabil?

Besonders die Blattunterseiten und jungen Triebspitzen sollte man gelegentlich kontrollieren, da sich dort verschiedene Schädlinge früh entdecken lassen.

Alte und beschädigte Blätter entfernen

Während der Saison können einzelne Blätter vergilben, beschädigt werden oder altersbedingt absterben. Solche Blätter können entfernt werden.

Das verbessert die Übersicht innerhalb der Pflanze und erleichtert gleichzeitig die regelmässige Kontrolle auf Krankheiten und Schädlinge.

Ein kräftiger Rückschnitt gesunder Blätter ist für die normale Kultur dagegen nicht notwendig. Gesunde Blätter erfüllen eine wichtige Funktion für die Pflanze und sollten nicht ohne Grund entfernt werden.

Chilipflanzen pinzieren oder einkürzen?

Eine Möglichkeit, die Wuchsform der Chilipflanze zu beeinflussen, ist das Pinzieren beziehungsweise Einkürzen des Haupttriebs.

Wir führen diesen Schnitt bei Bedarf durch, wenn die Pflanze ungefähr 15 bis 20 cm gross und bereits kräftig entwickelt ist. Dabei wird die Pflanze von oben um etwa ein Drittel eingekürzt.

Durch das Entfernen der Triebspitze wird das weitere Längenwachstum des Haupttriebs zunächst gebremst und die Bildung beziehungsweise Weiterentwicklung von Seitentrieben gefördert. Die Chilipflanze kann dadurch buschiger und stärker verzweigt weiterwachsen.

Notwendig ist dieser Eingriff allerdings nicht. Chilipflanzen verzweigen sich auch von selbst und können ohne Rückschnitt kräftige und ertragreiche Pflanzen entwickeln.

Ob eine Pflanze eingekürzt wird, hängt deshalb auch von der jeweiligen Sorte, ihrer natürlichen Wuchsform und dem gewünschten Pflanzenaufbau ab.

Chilipflanzen zunächst ohne Stütze wachsen lassen

Junge Chilipflanzen müssen normalerweise nicht von Anfang an angebunden oder abgestützt werden.

Wir lassen sie während des normalen Wachstums möglichst ungestützt wachsen. Dadurch muss die Pflanze selbst Stabilität entwickeln und kann einen kräftigen Pflanzenaufbau bilden.

Mit zunehmender Fruchtbildung ändert sich die Situation. Besonders bei grossen oder zahlreichen Früchten können einzelne Äste stark belastet werden. Dann kann es sinnvoll sein, die Pflanze mit einem Stab, einer Schnur oder einer anderen geeigneten Stütze zu sichern.

Das Ziel ist nicht, die gesamte Pflanze starr zu fixieren, sondern vor allem stark belastete Triebe vor dem Abknicken zu schützen.

Beobachten statt nach starrem Schema pflegen

Bei der Pflege von Chilipflanzen gibt es keine festen Giess- oder Düngeintervalle, die unter allen Bedingungen funktionieren.

Eine grosse Pflanze in einem 10-Liter-Topf an einem heissen Sommertag hat völlig andere Bedürfnisse als eine kleinere Pflanze im Gartenbeet während einer kühlen und regnerischen Woche.

Die wichtigste Grundlage einer erfolgreichen Pflege ist deshalb, die Pflanzen und ihre Wachstumsbedingungen regelmässig zu beobachten und die Pflege entsprechend anzupassen.

Stimmen Wasserversorgung, Nährstoffe und Standort, entwickeln sich die Pflanzen kräftig, bilden Blüten und schliesslich zahlreiche Früchte.

Wie geht es weiter?

Auch bei guter Pflege können Chilipflanzen im Laufe der Saison von Schädlingen oder Krankheiten betroffen sein. Je früher ein Problem erkannt wird, desto einfacher lässt sich in der Regel darauf reagieren.

Im nächsten Kapitel 05 Krankheiten & Schädlinge geht es deshalb darum, typische Probleme beim Chilianbau zu erkennen, häufige Schädlinge zu identifizieren und geeignete Massnahmen dagegen zu ergreifen.