Jungpflanzen & erstes Umtopfen
Nach der erfolgreichen Keimung entwickeln sich aus den kleinen Sämlingen zunehmend kräftige Jungpflanzen. Mit dem Wachstum benötigt auch das Wurzelwerk immer mehr Raum. Irgendwann wird das ursprüngliche Aussaatgefäss zu klein und es ist Zeit für den ersten Umzug.
Bevor die jungen Chilis jedoch in ihren endgültigen Topf oder ins Freiland kommen, hat sich eine Zwischenstufe in einem Anzuchttopf bewährt. Hier können sie ein kräftiges Wurzelwerk entwickeln und kontrolliert weiterwachsen, bevor sie später an ihren endgültigen Standort kommen.
Warum Chilis zunächst in einen Anzuchttopf umtopfen?
Es mag zunächst einfacher erscheinen, einen kleinen Sämling direkt in einen grossen Topf zu setzen. In der Praxis hat sich die Zwischenstufe in einem kleineren Anzuchttopf jedoch bewährt.
Ein wichtiger Grund dafür ist das Wassermanagement. Das noch kleine Wurzelwerk einer Jungpflanze kann nur einen begrenzten Teil des vorhandenen Wassers aufnehmen. In einem sehr grossen Topf befindet sich gleichzeitig viel Substrat, das nach dem Giessen entsprechend lange feucht bleiben kann.
Wird zu viel gegossen, können die jungen Wurzeln dadurch über längere Zeit in einem zu feuchten Substrat stehen. Chilipflanzen reagieren empfindlich auf Staunässe und dauerhaft nasse Wurzeln.
Ein passend dimensionierter Anzuchttopf erleichtert es, die Feuchtigkeit des Substrats an die Grösse der Pflanze und ihres Wurzelwerks anzupassen.
Hinzu kommt ein praktischer Vorteil: In unserem Klima müssen junge Chilipflanzen bis ungefähr Mitte Mai vor Frost geschützt bleiben. Kleinere Anzuchttöpfe benötigen während dieser Zeit wesentlich weniger Platz als die späteren Endtöpfe.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum ersten Umtopfen?
Wir topfen die Sämlinge in der Regel um, wenn sie sich gut entwickelt haben, die ersten echten Blätter vorhanden sind und das Aussaatgefäss zunehmend durchwurzelt ist.
Häufig haben die Pflanzen zu diesem Zeitpunkt eine Höhe von etwa 5 bis 10 cm. Die Pflanzenhöhe allein ist jedoch kein zuverlässiges Kriterium, da sich Chilis je nach Sorte und Wachstumsbedingungen unterschiedlich entwickeln.
Entscheidender ist der Entwicklungsstand der Pflanze und insbesondere des Wurzelwerks. Spätestens wenn das kleine Aussaatgefäss gut durchwurzelt ist, wird es Zeit für mehr Platz.
Welcher Topf eignet sich?
Für das erste Umtopfen verwenden wir meistens Anzuchttöpfe mit einem Volumen von etwa 0,5 Litern. Diese Grösse hat sich bei uns als gute Zwischenstufe zwischen dem kleinen Aussaatgefäss und dem späteren Endtopf bewährt.
Der Jungpflanze steht damit genügend Raum zur Verfügung, um ihr Wurzelwerk weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist der Topf noch klein genug, damit sich die Feuchtigkeit des Substrats gut kontrollieren lässt.
Besonders wichtig sind Abzugslöcher im Topfboden. Überschüssiges Giesswasser muss ablaufen können, damit sich im Wurzelbereich keine Staunässe bildet.
Welches Substrat für junge Chilipflanzen?
Während für die Aussaat eine nährstoffarme Aussaaterde sinnvoll ist, benötigen die wachsenden Jungpflanzen zunehmend Nährstoffe.
Beim ersten Umtopfen wechseln wir deshalb von der Aussaaterde auf eine geeignete Gemüse- oder Pflanzerde. Diese enthält mehr Nährstoffe und versorgt die jungen Chilipflanzen während ihrer weiteren Entwicklung.
Wer bereits Erfahrung mit der Chili-Kultur hat, kann auch ein eigenes Substrat zusammenstellen. Eine spezielle Substratmischung ist für eine erfolgreiche Anzucht jedoch nicht zwingend notwendig.
Chilipflanzen vorsichtig umtopfen
Beim Umtopfen sollte der Sämling möglichst vorsichtig aus seinem bisherigen Gefäss genommen werden. Das noch junge Wurzelwerk sollte dabei möglichst wenig beschädigt werden.
Die Pflanze sollte nicht am empfindlichen Stängel aus dem Gefäss gezogen werden. Besser ist es, den Wurzelballen vorsichtig zu lösen und die Pflanze behutsam herauszunehmen.
In den neuen Anzuchttopf wird zunächst etwas Substrat eingefüllt. Anschliessend wird die Jungpflanze eingesetzt und rundherum vorsichtig mit Erde aufgefüllt.
Die Wurzeln sollten dabei möglichst natürlich nach unten beziehungsweise seitlich im Substrat liegen. Insbesondere längere Wurzeln sollten nicht so in den Topf gedrückt werden, dass ihre Enden nach oben zeigen.
Sämlinge tiefer setzen und Keimblätter entfernen
Besonders bei zu wenig Licht können junge Chilipflanzen lang und dünn wachsen. Solche Sämlinge sind häufig weniger stabil.
Beim ersten Umtopfen können diese Pflanzen etwas tiefer gesetzt werden, sodass ein Teil des Stängels zusätzlich vom Substrat gestützt wird. Das kann die Stabilität der jungen Pflanze verbessern.
Wir entfernen beim ersten Umtopfen meistens auch die Keimblätter. Sie sitzen häufig genau in dem Bereich, der beim tieferen Einpflanzen stört, und fallen im weiteren Verlauf ohnehin von selbst ab. Nach dem Entfernen lässt sich der Sämling einfacher etwas tiefer einsetzen.
Zwingend notwendig ist das Entfernen der Keimblätter jedoch nicht. Wer sie an der Pflanze belassen möchte, kann den Sämling auch mit Keimblättern problemlos umtopfen.
Das tiefere Einpflanzen verbessert zwar die Stabilität einer lang gewachsenen Pflanze, behebt aber nicht die Ursache. Ist ein Sämling aufgrund von Lichtmangel lang und dünn gewachsen, sollte nach dem Umtopfen insbesondere auf ausreichend Licht geachtet werden.
Was tun mit langen Wurzeln?
Beim Herausnehmen aus kleinen Aussaatgefässen können einzelne Wurzeln bereits erstaunlich lang sein.
Sehr lange Wurzeln kürzen wir bei Bedarf etwas ein, wenn sie sich sonst nur schwer im neuen Topf unterbringen lassen. Notwendig ist ein Wurzelschnitt beim Umtopfen jedoch nicht. Lassen sich die Wurzeln ohne starkes Knicken einsetzen, bleiben sie vollständig erhalten.
Wichtiger ist, dass die Wurzeln ausreichend Platz erhalten und beim Einpflanzen nicht mit den Wurzelenden nach oben gebogen werden.
Nach dem Umtopfen richtig giessen
Nach dem Umtopfen wird die Pflanze vorsichtig angegossen. Dadurch legt sich das neue Substrat an die Wurzeln und kleinere Hohlräume im Wurzelbereich schliessen sich.
Anschliessend sollte eher zurückhaltend gegossen werden. Das Wurzelwerk muss den neuen Topf zunächst weiter erschliessen und benötigt nicht sofort grosse Wassermengen.
Auch hier gilt deshalb ein wichtiges Grundprinzip der Chili-Anzucht: Das Substrat sollte nicht dauerhaft nass sein und überschüssiges Wasser muss ablaufen können.
Mit zunehmendem Wachstum und einer stärkeren Durchwurzelung des Topfes steigt auch der Wasserbedarf.
Licht und Standort nach dem Umtopfen
Auch nach dem Umtopfen benötigen die Jungpflanzen viel Licht, damit sie kräftig und kompakt weiterwachsen.
Wie bereits während der Keimlingsphase sollten die jungen Chilipflanzen jedoch nicht abrupt intensiver direkter Sonne ausgesetzt werden. Besonders Pflanzen, die bisher ausschliesslich im Haus gestanden haben, müssen sich erst an die stärkere Sonneneinstrahlung gewöhnen.
Die Gewöhnung an direkte Sonne sollte deshalb schrittweise erfolgen. Das wird später besonders wichtig, wenn die Pflanzen dauerhaft nach draussen kommen.
Nährstoffe nach dem Umtopfen
Mit dem Wechsel von der nährstoffarmen Aussaaterde in eine Gemüse- oder Pflanzerde stehen den Jungpflanzen in der Regel bereits deutlich mehr Nährstoffe zur Verfügung.
Deshalb ist unmittelbar nach dem Umtopfen nicht automatisch eine zusätzliche Düngung erforderlich. Wie schnell weitere Nährstoffe benötigt werden, hängt unter anderem davon ab, wie stark das verwendete Substrat bereits vorgedüngt ist und wie schnell die Pflanze wächst.
Wird zusätzlich gedüngt, sollte bei jungen Chilipflanzen zunächst vorsichtig dosiert werden. Eine zu hohe Nährstoffkonzentration kann die jungen Pflanzen schädigen. Überdüngung sollte deshalb vermieden werden.
Wann ist die Jungpflanze bereit für den nächsten Schritt?
Im etwa 0,5 Liter grossen Anzuchttopf kann die Chilipflanze nun weiterwachsen und ein kräftiges Wurzelwerk entwickeln.
Wie lange sie darin bleibt, hängt weniger von einem festen Zeitraum als von ihrer Entwicklung und dem geplanten späteren Standort ab. Ist der Anzuchttopf gut durchwurzelt und die Pflanze entsprechend kräftig, ist sie grundsätzlich bereit für den nächsten Schritt.
Soll die Chili später ins Freie, müssen zusätzlich die äusseren Bedingungen stimmen. Da Chilis nicht frosthart sind, spielt insbesondere die Frostgefahr eine entscheidende Rolle.
Im nächsten Kapitel 03 Endtopf & Standort geht es deshalb darum, wann die Chilipflanzen in ihren endgültigen Topf oder ins Freie wechseln können, welche Topfgrösse und welches Substrat sich eignen und worauf bei der Wahl des endgültigen Standorts zu achten ist.

